Skat Reizen
Sind die Spielwerte festgestellt, dann beginnt eine neue Phase des Spiels, das "Reizen" oder "Bieten". Als Reizen bezeichnet man die von entsprechenden Spielausdrücken begleitete Ermittlung des Alleinspielers. Alleinspieler wird, wer von den drei Teilnehmern das Blatt mit dem höchsten Spielwert reizt und demnach das Spiel bekommt. Das Reizen geht ebenfalls nach festen Regeln vor sich. Vorhand fordert Mittelhand zuerst zum Reizen auf, d. h. Mittelhand beginnt immer zuerst Vorhand zu reizen. Mittelhand reizt Vorhand so lange, als es der Spielwert seiner Karten zuläßt und bis einer der beiden "paßt", also aufgibt. Paßt Vorhand zuerst, weil der Spielwert seiner Karten kein höheres Reizen zuläßt, so wird nun Mittelhand von Hinterhand in gleicher Weise weitergereizt. Hat jedoch Mittelhand zuerst gepaßt, dann wird Vorhand von Hinterhand weitergereizt, bis einer von beiden paßt.
Der Spieler, der dabei den höchsten Wert gehalten oder gereizt hat, wird Alleinspieler, kurz "Spieler" genannt. Er übernimmt damit die Verpflichtung, ein mindestens gleichwertiges oder auch höher bewertetes Spiel zu spielen. Dabei steht es ihm frei, den Skat aufzunehmen (Gucki-Spiel) oder aber "aus der Hand" (ohne Skataufnahme) zu spielen.
Die Skatordnung schreibt eindeutig vor, daß jede Erklärung des Passens ebenso bindend und unwiderruflich ist wie das Bieten und Halten eines Wertes oder Ansagen eines Spiels. Korrekturen sind also nicht möglich. Ausnahme: Statt des gereizten oder gehaltenen Spiels kann vor dem Ausspielen der ersten Karte ein im Punktwert höheres Spiel angesagt werden!
Oft kommt es jedoch vor, daß keiner der Mitspieler ein Spiel wagen will, sondern sofort paßt. Dann wird "eingepaßt", die Karten werden zusammengeworfen, gemischt, abgehoben und erneut ausgeteilt. Stets ist dabei der nächste Geber an der Reihe.
Wurde aber beim Reizen ein Alleinspieler ermittelt, der auf Grund seines Blattes sein Spiel schon vor Spielbeginn verloren gibt und dies ansagt, muß er trotzdem ein Spiel ansagen, das dem gebotenen Wert und der Zahl der Spitzen entspricht.
Spielwert-Beispiele für das Reizen
Aus verschiedenen Gründen beginnt man beim Reizen nicht sofort mit dem wahren Spielwert seines Blattes, sondern mit dem niedrigsten, also 18. Es ist üblich, der Reihe nach alle vorhandenen Spielwerte beim Reizen hochzuklettern. Der Gereizte gibt bei jeder gereizten Spielwert-Zahl zu erkennen, ob er hält oder paßt. Beginnend mit dem niedrigsten Spielwert würde also die Steigerung lauten:
- 18 = mit (ohne) 1, Spiel 2, mal Karo = 2 mal 9
- 20 = mit (ohne) 1, Spiel 2, mal Herz = 2 mal 10
- 22 = mit (ohne) 1, Spiel 2, mal Pik = 2 mal 11
- 23 = Null
- 24 = mit (ohne) 1, Spiel 2, mal Kreuz = 2 mal 12
- 27 = mit (ohne) 2, Spiel 3, mal Karo = 3 mal 9
- oder: mit 1, Spiel 2, Hand 3, mal Karo
- 30 = mit (ohne) 2, Spiel 3, mal Herz = 3 mal 10
- oder: mit 1, Spiel 2, Hand 3, mal Herz
- 33 = mit (ohne) 2, Spiel 3, mal Pik = 3 mal 11
- oder: mit 1, Spiel 2, Hand 3, mal Pik
- 35 = Null-Hand
- 36 = mit (ohne) 2, Spiel 3, mal Kreuz = 3 mal 12
- oder: mit (ohne) 1, Spiel 2, Hand 3, mal Kreuz
- oder: mit (ohne) 3, Spiel 4, mal Karo
- oder: mit (ohne) 2, Spiel 3, Hand 4, mal Karo
- 40 = mit (ohne) 3, Spiel 4, mal Herz = 4 mal 10
- oder: mit (ohne) 2, Spiel 3, Hand 4, mal Herz
- usw.
Eine Berechnungstafel für sämtliche im Einheitsskat möglichen Spiele finden Sie auf www.skat-online-spielen.info. Bitte, haben Sie als Anfänger keine Angst vor diesen Zahlen. In kürzester Zeit werden Sie mit einem einzigen Blick Ihr Blatt berechnen und überblicken können, es ist so leicht wie das kleine Einmaleins - wenn man es kann.
Wichtig: Man reizt und läßt sich grundsätzlich nicht über den Spielwert des eigenen Blattes reizen! Denn in jedem Fall muß man mindestens für den Spielwert, den man gereizt oder gehalten hat, als Alleinspieler geradestehen. Deshalb üben, bis alles ohne langes Nachdenken selbstverständlich wird!
Überreizte Spiele mit und ohne Skataufnahme
Es kann durchaus einmal vorkommen, daß man sein Spiel (mit oder ohne Skataufnahme) "überreizt", d. h. höher reizt oder hält, als es dem Spielwert des Blattes entspricht. Auch für solche Fälle hält die Deutsche Skatordnung bindende Regeln bereit.
Bei einem überreizten Farbspiel aus der Hand (ohne Skataufnahme) muß der Spieler sein verlorenes Spiel in der Höhe bezahlen, die dem vervielfachten Grundwert der gereizten Farbe entspricht. Hat er also etwa für ein Kreuzspiel bis 40 gehalten oder gereizt, so muß er sovielmal den Grundwert von Kreuz (12) bezahlen, bis seine Reizhöhe mindestens erreicht ist, also 48. Hat er "mit Skataufnahme" überreizt (z. B. wenn er "ohne 2" gereizt hatte und dann den Kreuz-Buben im Skat fand, wodurch der Spielwert nur noch "mit 1" beträgt), so muß er entweder ein anderes Spiel mit mindestens gleichem Reizwert machen, oder aber er gibt sein Spiel auf. Gibt er auf, so muß er trotzdem ein Spiel melden, das mindestens dem Reizwert seines Blattes entspricht; es wird ihm dann verdoppelt mit Minus berechnet. Beispiel: Gereizt bis 28, dann nach Skataufnahme "gestreckt" (aufgegeben), zwangsläufig Herzspiel gemeldet (30), berechnet mit 60 Minuspunkten.
Für den Anfänger empfiehlt sich also die Regel: Vorsicht beim Reizen! Überreizen kann teuer werden!
